Antigone – Gastspiel in Athen

ANTIGONE

GASTSPIEL IN ATHEN!
Am 30.September um 21h im Theaterhaus der Stiftung Michael Cacoyannis.
Regie führte Kostas Papakostopoulos.

Privates Recht und öffentliches Wohl prallen in der antiken Tragödie ANTIGONE von Sophokles aus dem Jahr 442 v. Chr. aufeinander. Polyneikes, im Kampf gegen die Heimatstadt Theben gefallen, liegt tot vor den Mauern der Stadt, und Antigone trifft die Entscheidung, ihren Bruder nach altem Brauch und gegen Kreons Beschluss zu bestatten. Im Streit mit König Kreon beruft sie sich auf die Totengötter, dieser jedoch besteht auf ein gemeinschaftliches Wohl: das Recht des Staates, Landesverräter unbestattet zu lassen. Beide scheitern am Ende an der alle Grenzen überschreitenden Unbedingtheit ihres Rechtsanspruchs.

In unserer Uraufführung verlagern wir den Schauplatz Theben in einen demokratischen Rechtsstaat der Gegenwart. Eine Gesellschaft, die auf wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand pocht und in einem dauerhaften Wandel der eigenen Vervollkommnung hinterher jagt. Ihr Repräsentant Kreon verkörpert das Versprechen auf Innovation, Partizipation, Effizienz und Wachstum. Antigone hingegen beansprucht für sich das Recht des Einzelnen, nach althergebrachten, an Tradition orientierten Werten zu leben und zu handeln, die unvereinbar sind mit Thebens Vernunftethik. Das Scheitern Kreons und Antigones liefert den Anlass, Hintergründe und Ausdruck von Macht und Ohnmacht in der modernen Gesellschaft in die Inszenierung einzubringen. Jenseits eines schwarz/weiss gezeichneten Täter/Opfer-Schemas stehen die Fragen: Ist unsere Demokratie tatsächlich so offen, wie sie sich gibt? Oder lässt Antigones eigenwilliges Handeln sie selbst maßlos und ungerecht werden?